Abschiebestop für Aufklärung nicht nötig
CDU/CSU-Fraktion
online, 01.06.1999
Abschiebestop
für Aufklärung nicht nötig
Zur Entscheidung
des Bundesinnenministers
Erwin Marschewski
Zur Entscheidung des
Bundesinnenministers, vorerst keine Ausländer mehr abzuschieben, die bei der
Abschiebung gewalttätig zu werden drohen, erklärt der innenpolitische Sprecher
der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erwin Marschewski, MdB:
Die Umstände, die zu dem
tragischen Tod des Sudanesen Aamir Ageeb geführt haben, müssen lückenlos aufgeklärt
werden.
Der verfügte generelle Abschiebestop
ist dazu jedoch weder nötig, noch angemessen: Jeder Abzuschiebende, der körperliche
Gegenwehr zeigt, erreichte damit - ungeachtet der Rechtslage - einen längeren
Aufenthalt in Deutschland. Durch dieses falsche Signal verfestigt sich selbst
nach Aufhebung des Abschiebestops der Eindruck, daß Gewalttätigkeit "belohnt”
wird. Damit jedoch nehmen die mit gewalttätiger Gegenwehr verbundenen Gefahren
für Leib und Leben der Abzuschiebenden, aber auch der betroffenen Bundesgrenzschutzbeamten
zu.
Richtig ist es, gründliche
Einzelfallprüfungen vorzunehmen: Dies gilt sowohl für die Frage, ob ein Verfolgungsschicksal
vorliegt, als auch bei der Frage, ob eine Abschiebung zu verantworten ist. Dieser
Verantwortung kann man sich nicht durch einen generellen, undifferenzierten
Abschiebestop entziehen, zumal damit die Umsetzung geltenden Rechts suspendiert
wird.
In der Vergangenheit sind
Zehntausende von Ausländern ohne Aufenthaltsrecht auf dem Luftwege abgeschoben
worden. Umso mehr stellt sich die Frage, wie es zu dem tragischen Geschehen
kommen konnte. Ich fordere den Bundesinnenminister auf, sofort nach Abschluß
der Untersuchungen dem Innenausschuß des Deutschen Bundestages über die Einzelheiten
Bericht zu geben.